Samstag, 7. November 2015

Back In Time

Eine Entdeckung, die ich sehr früh in Südafrika machen konnte, ist folgende: Südafrika entschleunigt. Zumindest ein Westeuropäer tritt gewaltig auf die Bremse, wenn er für ein Jahr nach Südafrika kommt. Zumindest ich musste die Zeitmaschine in den Rückwärtsgang schalten - und konnte dadurch in den Genuss der guten alten Zeiten kommen. Und das aus gutem Grund.
Wie unlängst bekannt ist, ist Lotus River, meine Wohngegend, ein härteres Pflaster. Es gilt, sich zu wappnen, um Übergriffe zu minimieren. Dazu gehört natürlich, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus zu verlassen, sich möglichst schnell und nur auf belebten Wegen zu bewegen. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme, die ich treffe, ist, keine Wertgegenstände unnötig bei mir zu tragen oder öffentlich zu zeigen. Mein Smartphone bleibt also bei mir zu Hause - immer. Und zuhause kann ich es auch nur eingeschränkt nutzen, denn: kein Internet.

Freitag, 16. Oktober 2015

Welcome to the Mother City

Und nach ziemlich genau zwei Jahren ist es wieder soweit: Ich bin angekommen am schönsten Ort der Welt. Kapstadt hat mich mit offenen Armen empfangen. Als ich vor zwei Jahren einen Schüleraustausch nach Südafrika gemacht habe, war ich wie weggeblasen von der Schönheit dieses Ortes. Der majestätische Tafelberg streckt immer, egal wo man ist, seine Arme aus. Der Atlantik ist rau, doch lässt einen nicht los. Die schillernden Facetten dieser riesigen Stadt sind faszinierend. Das alles klingt sehr romantisch – das gebe ich zu – doch unsere ersten Tagen waren auch sehr romantisch.

Donnerstag, 24. September 2015

Männer und Gefühle...


Nach einem wirklich schönen Abend mit meiner ganzen Familie sollte ich mich langsam auf Südafrika vorbereiten - mental. Der Koffer ist gepackt, heute geht der Flug. Ganz so cool wie ich mich gestern gegeben habe, bin ich dann heute doch nicht mehr. Der Abschied von meinen Verwandten war nicht schön, aber auch nicht schmerzhaft. Doch jetzt, wo ich kurz vor dem Borden stehe, pumpert mein Herz doch ganz schön schnell. Gestern war es noch mehr Angst. Angst vor dem Unbekannten. Heute ist es Aufregung. Alles ist gepackt. Alles ist erledigt. Das einzige, was ich noch machen muss, ist in den Flieger zu steigen - als wenn das so einfach wär.

Mittwoch, 23. September 2015

17 Kilogramm Gepäck und eine Tonne Nervosität

Schon seit einigen Monaten hängt eine einzige Frage über meinen Gedanken: Wie soll ich für ein Jahr Auslandsaufenthalt packen? Bislang hatte ich keine Antwort auf diese Frage. Und auch jetzt, nachdem ich 17 Kilogramm an Gepäck in meinem Koffer verstaut habe, kann ich sie noch immer nicht beantworten. Übermorgen werde ich in Kapstadt sein und erst dann kann ich Auskunft darüber geben, was man besser mitnehmen sollte und was nicht.

Montag, 17. August 2015

Authority to proceed to the Republic has been granted

Nach nun mehr als sieben Wochen tatenlosem Bangen und Warten habe auch ich mein Visum erhalten. Gerade wollte ich in die Dusche gehen, da rief mich meine Mutter lautstark und ich wusste, es kann nur das Visum sein.
Es war schon fast tägliche Routine: Kaum hat man sich versehen, schon schrieb erneut ein Freiwilliger von SAGE Net, dass er sein Visum erhalten habe. Die WhatsApp-Gruppe war ständig am vibrieren. Mir schien es, als würden die Sachbearbeiter aus der Botschaft täglich würfeln, welche Visa sie bearbeiten und genehmigen. Es galt nämlich nicht die Regel: Wer zuerst kommt, mal zuerst. Vor sieben Wochen habe ich meinen Antrag abgeschickt, acht Wochen ist die maximale Bearbeitungszeit der Botschaft. Der inoffizielle Rekord des am schnellsten genehmigten Visums liegt bei elf Tagen. Felix, herzlichen Glückwunsch dafür.

Freitag, 14. August 2015

Kalorien für den guten Zweck

Ein klitzekleines Update zu meinem Förderkreis: Insgesamt 2400€ müssen wir Südafrika-Freiwillige aufbringen. Durch Spenden von Unternehmen und Organisationen oder aber - und das sind die lukrativen Möglichkeiten - durch Aktionen, bei denen die Einnahmen in den Spendentopf gehen. Diese Aktionen setzen der Kreativität keine Grenzen: Ob Benefit-Konzerte (welche das Spielen eines Instrumentes voraussetzen), die Organisation eines Konzertes, Tombolas, ein Stand auf einem Flohmarkt - es gibt überraschend viel, womit man Geld verdienen kann.
Auch ich wollte gerne eine solche Aktion machen und habe mir dafür meine Schule als Opfer Unterstützung ausgesucht. Ich wollte gerne Waffeln verkaufen, da ich weiß, dass die Schüler des Gymnasium Netphens auf jegliche Art an zubereiteten Snacks abfahren. Während meiner Schulzeit waren die Stände von Sandwich- und Waffelverkäufen ruckzuck ausverkauft. Also habe ich meine ehemalige Schule angesprochen und mir wurde vorgeschlagen, gleich am ersten Schultag nach den Sommerferien meine Waffeln zu verkaufen. Warum? Weil gleich am ersten Schultag die neuen Fünftklässler eingeschult werden und Eltern und Großeltern und Freunde dabei sind. Vergangenen Mittwoch war der besagte erste Schultag nach den Sommerferien und mein Verkauf war ein voller Erfolg.

Freitag, 7. August 2015

Das Leben mit Behinderung - Erfahrungen aus meinem Praktikum


Knapp zwei Wochen ist es her, dass ich mein Praktikum im Haus der Lebenshilfe begonnen habe. Nun ist es auch schon vorbei und die Bestätigung, dass ich die individuelle Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst absolviert habe, steckt in meiner Tasche. Aber was konnte ich noch alles in meinen Rucksack einpacken? Und was kann ich alles in meinen Koffer für Südafrika packen? Anfangs habe ich noch von Ängsten und Unsicherheiten gesprochen. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit Behinderten. Ich habe mich gefragt, wie man auf sie zugeht, wie man sich verhält, mit ihnen spricht. Ich kann zum Glück sagen, dass all meine Unkenntnisse beseitigt werden konnten. Wenn ich zurückblicke, so muss ich fast sagen, dass ich mehr mitnehmen konnte und gelernt habe, als ich mir vorgestellt habe.